Kann mir ChatGPT auch sagen, welche Aktie ich kaufen soll?

Programme wie ChatGPT werden im Alltag immer wichtiger. Was passiert, wenn die Maschine Portfolios managt?

Die Menschen wenden sich mit immer mehr Fragen an ChatGPT.
Die Menschen wenden sich mit immer mehr Fragen an ChatGPT.   Reuters / Brendan Mcdermid
Susanne Bickel

16.10.2024 um 07:35 von Susanne Bickel Die Presse auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle hinzufügen.

Ob sie wollen oder nicht, an einem Thema kommen Anlegerinnen und Anleger derzeit nicht vorbei: die künstliche Intelligenz. Sei es durch die eigene Nutzung von einer Software wie ChatGPT oder durch die Kursgewinne von Techaktien, die dank KI derzeit in ungeahnte Höhen schießen – die Technologie ist allgegenwärtig.

Doch zumindest in der Finanzwelt ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz nicht ganz neu. In der Branche wird seit jeher auf neue Technologien gesetzt – vor allem, wenn sich damit mehr Geld verdienen lässt. So besagt eine Studie des Vermögensverwalters PwC, dass immer mehr Anlageberater KI, Big Data und Blockchain nutzen. Wozu? Um die Performance zu optimieren. Gleichzeitig sind digitale Berater auf dem Vormarsch: Für das Jahr 2027 wird geschätzt, dass die von der künstlichen Intelligenz verwalteten Vermögenswerte fast sechs Billionen US-Dollar erreichen werden. Wird unser Geld also bald nur noch von einer KI angelegt? Tatsächlich hilft die künstliche Intelligenz bereits heute dabei, die besten Aktien auszuwählen. Dass sie am Ende damit viele Fondsmanager ersetzen könnte, wird bislang aber nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen. Denn Fondsgesellschaften agieren zwar oft im Hintergrund, das Potenzial in diesem Bereich ist aber schier unausschöpflich. Wenn die KI an diesen Stellen passend eingesetzt werden kann, wird das die Finanzwelt nachhaltig verändern.

Passend dazu wollen auch immer mehr Menschen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen und nicht nur einem Berater ohne jegliche Kontrolle überlassen. Denn ein eigenes Portfolio zu bauen, wird mithilfe der KI nicht nur einfacher, sondern auch günstiger. Schließlich ist analytisches Wissen für die Maschinen frei verfügbar. Und nicht jeder möchte die Gebühren eines eigenen Verwalters bezahlen.

Analyse der Gespräche

Computer haben schon vor Jahren gelernt, Gespräche zu analysieren: Beschränkt wurde sich dabei hauptsächlich auf Aussagen von CEOs zu Analysten. Diese Gespräche finden vor allem nach Veröffentlichungen von Quartalszahlen statt. Dabei zählten Maschinen, wie oft positive und negative Begriffe verwendet wurden, um daraus Empfehlungen abzuleiten.

Inzwischen haben sie gelernt, auch die Nuancen in der Sprechweise zu beachten – schließlich formulieren Firmenchefs selbst vor drohenden Krisen oft in positiven Worten. Ein kurzes Innehalten, ein Räuspern oder ein Stocken in der Stimme könnten in Zukunft also deutlich stärkere Auswirkungen haben.

Aber zurück zu den Privatanlegern: Konkrete Aktientipps erhält man von Programmen wie ChatGPT derzeit noch nicht. Dafür gibt es nach wie vor zu viele unterschiedliche Dimensionen eines Investments zu berücksichtigen und zu bewerten.

Trotzdem kann die Technologie eine enorme Erleichterung bei der Geldanlage darstellen. Etwa mit dem sogenannten Robo-Advisor. Vorweg: Das ist vor allem für Personen geeignet, die sich nicht näher mit der Geldanlage befassen wollen. Die automatisierten Systeme sparen nämlich Zeit und Nerven. Dennoch sind sie deutlich teurer, als sich selbst damit zu beschäftigen, aber in der Regel günstiger als Anlagen bei Banken. Die Kosten setzen sich aus zwei Komponenten zusammen: Gebühren für die Anlageprodukte und Gebühren der Robo-Anbieter selbst, die sie für den Service kassieren.

Emotionslose Berater

Aber was kann ein solcher Robo-Advisor? Im Grunde ist es ein digitaler Anlageberater, der das Geld am Kapitalmarkt investiert. Ähnlich wie ChatGPT fragt er kurz ab, wie viel Risiko der Kunde bereit ist einzugehen. Dann wird eine passende Geldanlage vorgeschlagen – üblicherweise Anleihen und Aktien, aber auch Rohstoffe. Wenn die Anlegerin oder der Anleger einverstanden ist, eröffnet der Robo-Advisor ein Wertpapier-Depot und investiert das Geld. Er behält das Portfolio im Blick und passt es je nach Börsenlage an.

Unterschieden wird zwischen aktiven und passiven Robos: Aktive verfolgen eine Strategie, bei der aktiv nach Anlagechancen gesucht wird und das Vermögen je nach aktuellen Geschehnissen an der Börse umverteilt wird.

Passive Robo-Advisors konzentrieren sich hingegen auf Investitionen in kostengünstige Indexfonds oder ETFs. Es werden dann ab und an Umschichtungen vorgenommen, um die ursprüngliche Gewichtung der Anlageklasse zu behalten. Ein Vorteil dabei: Emotionen spielen bei den Maschinen keine Rolle.

Auf einen Blick

Wenn es um die Kosten geht, gibt es bei den Robo-Advisors eine Faustregel: Bei mehr als einem Prozent Gesamtkosten pro Jahr ist es deutlich zu teuer. Die meisten Kosten spart man sich jedoch, wenn man selbst anlegt. Und auch wer sich am Finanzmarkt nicht gut auskennt, kann mit einem ETF nur wenig falsch machen.